Das Pilotprojekt
Im Mai 2008 starteten wir als Pilotprojekt die spezielle Betreuung der Angehörigen von Haftinsassen in der Justizanstalt Josefstadt. In einer Justizanstalt richtet sich der Focus hauptsächlich auf den Menschen in der Haft. Bei der Menge an zu betreuenden Personen bleibt häufig sehr wenig Zeit für die Bedürfnisse, Sorgen und Wünsche der Angehörigen.
Unser Projekt setzt genau hier an. Jede Inhaftierung zieht eine Menge
an Problemen nach sich. Dazu kommt noch die psychische Belastung. Viele
Angehörige fühlen sich mitbestraft und mitgefangen.
Wie wichtig unsere Arbeit in der Justizanstalt ist, lässt sich am
einfachsten durch zwei sehr berührende Erlebnisse
darstellen.
In der Besucherzone lernte ich eine sehr junge Frau mit ihrer 2-jährigen Tochter kennen. Ihr Lebensgefährte ist schon seit einem Monat in Haft ist. Seither kämpft sie vor allem um das tägliche Überleben. Sie schien Vertrauen zu mir zu haben und erzählte mir immer mehr von sich; wie sehr sie die Situation psychisch belaste, wie zornig sie immer wieder auf ihren Lebensgefährten ist, weil er sie in solch eine Lage gebracht hat, dass sie ihn aber trotzdem liebe und ihn nie im Stich lassen würde. Am Ende unseres sehr langen Gesprächs meinte sie, wie gut es ihr tat, sich einmal alles „von der Seele sprechen zu können“. Seither kommt die junge Frau jede Woche zu mir, wenn sie ihren Lebensgefährten besucht. Manchmal telefonieren wir auch zwischendurch.
Das andere Beispiel aus unserer Arbeit betrifft eine Mutter, deren 31-jähriger Sohn in Haft ist. Sie saß weinend auf der Bank vor unserem Büro und ich fragte sie, ob ich ihr irgendwie helfen könne. In diesem Gespräch stellte sich heraus, dass die Mutter ein Gespräch mit jemandem führte, der ihr die Situation ihres Sohnes sehr einfühlsam aber dennoch klar und deutlich vor Augen führte, sodass sie danach einfach nur noch mit weinen reagieren konnte. Ich bestärkte sie darin, das Weinen zuzulassen und am Ende des Gesprächs brachte sie sogar ein kleines Lächeln zustande.
Diese beiden Erlebnisse bestärken uns darin, mit unserer Arbeit fortzufahren und es nicht bei einem Pilotprojekt zu belassen. Mit Ihrer Beteiligung am Gefängnislauf helfen und unterstützen Sie uns darin!